Sie konnten unterschiedlicher kaum sein und sind doch unzertrennlich, Lila und Elena, schon als junge Madchen beste Freundinnen. Und sie werden es ihr ganzes Leben lang bleiben, uber sechs Jahrzehnte hinweg, bis die eine spurlos verschwindet und die andere auf alles Gemeinsame zuruckblickt, um hinter das Ratsel dieses Verschwindens zu kommen.Im Neapel der funfziger Jahre wachsen sie auf, in einem armen, uberbordenden, volkstumlichen Viertel, derbes Fluchen auf den Straen, Familien, die sich seit Generationen befehden, das Silvesterfeuerwerk artet in eine Schieerei aus. Hier gehen sie in die Schule, die unangepasste, draufgangerische Schustertochter Lila und die schuchterne, beflissene Elena, Tochter eines Pfortners, beide darum wetteifernd, besser zu sein als die andere. Bis Lilas Vater seine noch junge Tochter zwingt, dauerhaft in der Schusterei mitzuarbeiten, und Elena mit dem bohrenden Verdacht zuruckbleibt, eine Gelegenheit zu nutzen, die eigentlich ihrer Freundin zugestanden hatte.Ihre Wege trennen sich, die eine geht fort und studiert und wird Schriftstellerin, die andere wird Neapel nie verlassen, und trotzdem bleiben Elena und Lila sich nahe, sie begleiten einander durch erste Liebesaffaren, Ehen, die Erfahrung von Mutterschaft, durch Jahre der Arbeit und Episoden politischer Bewusstwerdung, zwei eigensinnige, unnachgiebige Frauen, die sich nicht zuletzt gegen die Zumutungen einer brutalen, von Mannern beherrschten Welt behaupten mussen.Sie bleiben einander nahe, aber es ist stets eine zwiespaltige Nahe: aus Befremden und Zuneigung, aus Rivalitat und Innigkeit, aus Missgunst und etwas, das groer und stiller ist als Lieben. Liegt hier das Geheimnis von Lilas Verschwinden?
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