Dieses Buch ist aus einer sehr einfachen Erfahrung heraus entstanden: Ich bin Gitarrist, ich liebe den Blues und irgendwann habe ich zum ersten Mal einen Slide uber die Saiten geschoben. In diesem Moment hat sich mein Verhaltnis zur Gitarre verandert. Der Ton war nicht mehr nur richtig oder falsch, nicht mehr sauber abgegrenzt von Bund zu Bund. Er war beweglich, unsicher, manchmal rau und genau deshalb unglaublich ehrlich. Seitdem lasst mich der Klang der Slide-Gitarre nicht mehr los.Als Musiker begegnet man dem Slide-Sound oft eher am Rand: als Effekt, als besondere Farbe im Sound, als etwas, das man auch mal einsetzt. Doch je tiefer ich mich damit beschaftigt habe, desto klarer wurde mir, dass die Slide-Gitarre weit mehr ist als eine Spieltechnik. Sie ist eine eigene Ausdrucksform, fast eine eigene Stimme innerhalb der Gitarrenwelt. Eine Stimme, die so eng mit Emotion, Geschichte und Identitat verbunden ist, dass sie ein eigenes Buch verdient.Was die Slide-Gitarre so besonders macht, ist ihre Freiheit. Statt die Saite fest auf einen Bund zu drucken, gleitet ein Stuck Glas oder Metall uber die Saiten. Die festen Grenzen verschwinden. Tone flieen ineinander, liegen bewusst zwischen den ublichen Tonhohen, kippen, zittern, suchen ihren Platz. Genau darin liegt ihre Kraft. Die Slide-Gitarre kann weinen, schreien, trosten oder hoffen und manchmal alles gleichzeitig. Sie klingt oft naher an der menschlichen Stimme als jede andere Gitarrentechnik.Gerade im Blues hat dieser Klang eine enorme Bedeutung. Hier wurde die Slide-Gitarre zu einem Mittel, Gefuhle auszudrucken, fur die es keine einfachen Worte gab. Schmerz, Verlust, Einsamkeit, aber auch Trotz, Wurde und Uberlebenswille finden in den gleitenden Tonen ihren Platz. Der Slide erlaubt es, nicht perfekt zu sein. Und genau darin liegt seine Wahrheit.Historisch fuhrt der Weg der Slide-Gitarre weit zuruck. Ihre Ursprunge liegen in einfachen Saiteninstrumenten, in afrikanischen Musiktraditionen und in den Lebensrealitaten afroamerikanischer Musiker im Suden der USA. Aus Mangel an Material entstand Kreativitat: Flaschenhalse, Messer oder Metallstucke wurden zu Werkzeugen des musikalischen Ausdrucks. Mit der Zeit wanderte dieser Klang vom landlichen Suden in die Stadte, wurde elektrisch verstarkt und fand schlielich seinen Weg in Rock, Folk, Jazz und viele andere Musikrichtungen.
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